CULTURE CHANEL: „La donna che legge“ in Venedig

„The life we lead always amounts to so little, the life we dream of, that’s the great existence because it will continue beyond death.“ – Coco Chanel

Venedig an einem regnerischen Sonntag im November. Der Nebel hängt so stark in der Stadt, dass man nicht einmal bis zur anderen Seite des Canal Grande sehen kann. Schlechtes Wetter für eine Sightseeing-Tour durch die Lagunenstadt, aber gut für das, was wir für diesen Tag geplant haben: einen Besuch im Museum Ca’Pesaro. Hier findet derzeit die Ausstellung „La donna che legge“ (Die Frau, die liest) von CULTURE CHANEL statt. Sie widmet sich einer Seite Coco Chanels, die auf den ersten Blick relativ wenig mit ihrem beruflichen Schaffen zu tun hat. Aber nicht nur das frühe Sterben der Mutter, die Kindheit im Waisenhaus von Aubazine oder der tragische Tod ihrer großen Liebe, Arthur „Boy“ Capel, haben Coco Chanels Mode beeinflusst. Nein, auch die Literatur nahm eine wichtige Rolle in ihrem Leben ein. Der Engländer Capel, mit dem sie jahrelang in wilder Ehe zusammenlebte, führte sie in die Welt der Bücher. Im Laufe der Jahre beschäftigte sie sich mit Werken großer Schriftsteller wie Emile Zola, Jean-Jacques Rousseau, William Shakespeare und Fjodor Dostojevski und besaß zu Lebzeiten sogar zwei eigene Bibliotheken, unter anderem gefüllt mit Klassikern in seltener Auflage. Ein Teil der Originalbücher wird derzeit im Ca’Pesaro in 5 Räumen ausgestellt und kann von den Besuchern bewundert werden. Ein kostenloser Audioguide führt durch die Räume und spart nicht an Hintergrundinformationen, um das Leben und Schaffen der Modeschöpferin genau darzulegen.

Neben den Büchern werden auch persönliche Gegenstände, die das Zuhause in der Rue Cambon und später die Suite im Hotel Ritz schmückten, gezeigt, beispielsweise Skulpturen und Büsten. Vor ihnen posierte Chanel nur allzu gerne (s. Bild 4). Aber auch emotionale Briefe an Freunde, Liebesbriefe von und an Arthur Capel und private Notizbücher sind der Öffentlichkeit zum ersten Mal zugänglich. Man erhält die einmalige Möglichkeit, der Person hinter dem großen Namen so nahe wie noch nie zu kommen, hat das Gefühl sie „kennenzulernen“.

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1 Geburtsurkunde Coco Chanels
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2 (v.l.) Eine Löwenskulptur aus Chanels Apartment und Originalbücher aus ihrer Bibliothek
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3 Persönliche Notizen, Chanel No. 5 und ein originaler Handabdruck
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4 Eine Büste, vor der Coco Chanel gerne für Fotografen posierte, wie auf dem kleinen Bild links unten zu sehen ist

Aber nicht nur die Literatur, sondern auch die Kunst und Freundschaften zu den großen Malern der damaligen Zeit prägten die Modeschöpferin. Werke ihrer engen Vertrauten Pablo Picasso, Joan Miró und Salvador Dalí schmücken die Museumsräume, Zeichnungen von Jean Cocteau, auf denen Coco Chanel abgebildet ist, befinden sich in den zahlreichen Vitrinen. Und Bücher über verschiedene Kunstrichtungen wie Surrealismus und Dadaismus ergänzen die einzigartige Sammlung. Kunst und Mode hingen für die Designerin eng zusammen, denn sie wusste schon früh: „Sowohl Kunst als auch Mode erschaffen etwas Neues.“

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5 Zeichnung von Chanels engem Freund, dem spanischen Maler Salvador Dalí

„Chanel didn’t die with Coco’s death.“

Um auch das künstlerische Schaffen Coco Chanels in die Ausstellung einfließen zu lassen, wird zudem Mode von Chanel präsentiert – jedoch nicht von der Gründerin des Imperiums selbst, sondern von dem heutigen Chefdesigner Karl Lagerfeld, der seit mittlerweile mehr als 33 Jahren für das französische Modehaus arbeitet. Lagerfeld ist ein würdiger Nachfolger  für die im Jahr 1971 verstorbene Ikone. Er hat es geschafft, Chanel nach ihrem Tod der erfolgreich weiterzuführen und dem Haus neuen Glanz zu verleihen. Er hat es geschafft, dass Chanel nicht mit Cocos Tod gestorben ist.

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Die einmalige Ausstellung in Venedig gibt einen Einblick in die Gedankenwelt der bedeutendsten Modeschöpferin des 20. Jahrhunderts. Sie widmet sich einem Teil von Coco Chanels Leben, der vielen unbekannt ist, der aber einen großen Einfluss auf ihr künstlerisches Schaffen hatte. Und vor allem schafft sie es auf bemerkenswerte Weise, zwei Seiten der Gabrielle Chanel zu vereinen und sie zu zeigen, wie sie wirklich war: intellektuell und emotional.

Die Ausstellung „La donna che legge“ findet noch bis zum 8. Januar 2017 im Ca’Pesaro in Venedig statt. 

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