Rückblick: Mai

Mai.
Der zweite Monat meines Auslandsaufenthaltes war geprägt von: Konzerten, gutem Wetter, extrem schlechtem Wetter, Krankheit, Museen und einer Reise in den Norden Englands.

Konzerte

Vier an der Zahl, darunter das beste Konzert, auf dem ich je war.
Wie ich im Rückblick: April bereits erzählt hatte, bekomme ich von der Arbeit auf Anfrage manchmal Tickets, für die ich dann im Gegenzug Reviews für unser britisches Team schreibe.
Ein Ticket, für ‚To Kill A King‘, hatte ich bereits gekauft, als ich noch in Deutschland war. Bei ‚The Kooks‘ (die entgegen vieler Behauptungen live super waren!) und Tom Chaplin, dem ehemaligen Frontmann der Band ‚Keane‘ (was gut, aber nicht mein Musikstil war), war ich dann von der Arbeit aus. Und auch für Alexandra Savior, die ihr Debütalbum gemeinsam mit ‚Arctic Monkeys‘-Frontmann Alex Turner schrieb, konnte ich so Karten bekommen.


Privat war ich zudem bei einem Konzert, das mit Sicherheit eines, wenn nicht das meines Lebens war: Bastille. Eine meiner Lieblingsbands und nein, nicht weil ich ‚Pompeii‘ oder die Handvoll Lieder, die sonst im Radio kommen, so gut finde. Sondern weil sie meiner Meinung nach viel besser sind als es ihre großen Aushängeschilder vermuten lassen.
Zunächst konnte ich mal wieder keine Karten für den Charity-Gig bekommen, dessen Erlös an ‚Streets of London‘, eine Organisation, die sich um Obdachlose in der Hauptstadt kümmert, ging. Irgendwie scheine ich aber Glück mit Last Minute-Käufen von Konzertkarten zu haben (ich erinnere an die Karte für die Red Hot Chili Peppers im letzten Jahr in München) und habe am Tag der Show doch noch eine Karte ergattern können – mit Hilfe des Sängers persönlich: Auf Twitter bot jemand eine übrig gebliebene Karte an, Dan retweetete den Post und ich war die erste, die sich darauf meldete. Und ich war  der glücklichste Mensch auf Erden.
Union Chapel, eine alte Kirche im Borough Islington, diente als perfekte Venue für das Konzert mit nur 900 Besuchern. Als Vorband wurde Billy Bragg engagiert, der eine tolle Performance hinlegte und als Special Guest Ralph McTell auf die Bühne bat, um mit ihm gemeinsam seinen Hit ‚Streets of London‘ zu spielen.
Bastille trat anschließend nicht in der normalen Fünf-Mann Besetzung für Live-Auftritte, sondern mit einem Streichquartett, einem Gospelchor und Bläsern auf und gaben neue, teilweise extra für diesen Abend kreierte Versionen von 18 ihrer Songs zum Besten. Es war so unfassbar schön und obwohl es in der Kirche sehr heiß war, hatte ich Gänsehaut. Bastille-Konzerte sind immer sehr gut, sie sind eine dieser Bands, die live tausendmal besser sind als auf Platte. Aber dieses Konzert war mit Live-Premieren zweier Lieder, a cappella-Versionen und auch des Zwecks wegen etwas ganz Besonderes und ich bin immer noch so glücklich darüber, dass ich an diesem Tag doch noch dabei sein durfte.

IMG_2964
Bastille @Union Chapel

Wetter

Das Wetter. Was Anfang April so gut angefangen hatte, hat sich im Mai zwischenzeitlich zu dem entwickelt, was man in Deutschland als typisch englisch bezeichnet. Regen, Regen und noch mehr Regen. Eine Woche lang hat es einfach nur durchgeregnet. Anscheinend ist das hier aber gar nicht typisch, denn meine Vermieterin zeigte sich von so viel Niederschlag durchaus überrascht (und genervt) und auch die von Wasser überlaufenen Straßen zeugten davon, dass das gar nicht normal ist. Allgemein regnet es hier weitaus weniger als ich es erwartet hatte. Meine quietschgelbe Regenjacke konnte ich bisher nicht so oft tragen wie ich es wollte (beim ersten Regentag habe ich mich deshalb zugegebenermaßen sogar gefreut).
Ende des Monats hat dann plötzlich eine Hitzewelle Großbritannien erreicht und das Thermometer zeigte teilweise 30 Grad an. Ich bin ja grundsätzlich ein großer Freund von Hitze, aber Hitze hier ist schlimmer und unerträglicher als in Deutschland oder im Süden Europas. Wird es wärmer als 27 Grad, kann es schnell unglaublich schwül und unangenehm werden.

 

Krankheit

Ich habe ja allgemein ein ziemlich schlechtes Immunsystem, hier spüre ich es aber besonders. Ich glaube, dass es hauptsächlich mit dem ständigen Wind zusammenhängt, vielleicht spielt aber auch die fehlende Ruhe eine Rolle. Seit eineinhalb Monaten schlage ich mich nun schon mit einer zähen Erkältung herum, hatte eine Bronchitis und habe eine ständig laufende Nase (was mich deutsche Taschentücher schmerzlich vermissen lässt).

 

Museen

Momentan habe ich wöchentlich einen freien Tag, den ich gerne damit verbringe, in eines der zahlreichen Londoner Museen zu gehen. Zuerst war ich in der Ausstellung ‚The Radical Eye‘ im Tate Modern. Es wurde eine Sammlung moderner Fotografien gezeigt, die allesamt Sänger Elton John gehören, der in seinem Haus rund 8000 von ihnen hängen haben soll.

IMG_3141
Tate Modern

Ein weiteres Museum, das ich zusammen mit einer anderen Praktikantin besuchte, ist die Saatchi Gallery in Chelsea. Interessant ist sie vor allem deshalb, weil die Ausstellung damit auseinandersetzt, was uns junge Menschen tagtäglich beschäftigt und uns ständig begleitet: Elektronische Geräte und Social Media. Es war anders, als ich erwartet hatte, aber sehr innovativ und interessant, auch einmal eine etwas andere Form der Kunst zu erleben.

IMG_2623
Saatchi Gallery

Zudem habe ich ein weiteres tolles Museum entdeckt. Naja, entdeckt ist vielleicht etwas übertrieben, denn es scheint doch ziemlich bekannt zu sein. Zumindest unter Londonern und Kunstliebhabern. Aber was ich damit meine: es ist kein Museum, das man in seinem fünf Tage-London-Urlaub besuchen würde, weil dann bei den meisten erfahrungsgemäß das Tate Modern, das British Museum und/oder die National Gallery auf dem Plan stehen. Welches Museum ich hier meine: die Courtauld Gallery im Somerset House am Nordufer der Themse. Angelockt wurde ich von den Plakaten, die vor dem Museum hängen und französische Impressionisten versprechen. Der Rundgang beginnt mit der Renaissance und die ersten Räume zeigen zahlreiche Werke von Rubens, Van Dyck und Rembrandt. Ich bewundere, wie gut diese Renaissance-Künstler malen können – aber sie gehören nicht zu meinen Lieblingskünstlern. In einem weiteren Raum wurden die Porträts ehemaliger britischer Könige ausgestellt. Auch hier, sie sind wahnsinnig gut gemalt, aber irgendwie sieht für mich alles gleich aus. Aber weswegen ich eigentlich in die Galerie ging: Impressionismus. Ohne Zweifel meine liebste Kunstrichtung. Monet, Manet, Pissarro und viele mehr sind hier zu bewundern. Nach einigen Räumen mit der größten und sehr beeindruckenden Sammlung französischer Impressionisten geht es weiter mit Van Gogh und Malern des ‚Blauen Reiters‘ und andere Expressionisten. Ausgestellt sind dort Kandinsky, von Werefkin, Jawlensky und Münter, um nur einige von ihnen genannt zu haben.
Nach dem Museumsbesuch bietet sich in dem dazugehörigen Museumsshop eine tolle Möglichkeit, um noch einige schöne Stücke zu ergattern – wenn auch nicht ganz billig.
Aber als Student spart man sich den Eintritt in das Museum ohnehin (Regulär: 7 Pfund)

IMG_2819
Courtauld Gallery

Nordengland

Nachdem ich im April viel gereist bin, habe ich den Mai bis zum letzten Wochenende in London verbracht.

Dann ging es für mich in den Norden, zunächst nach Liverpool, dann nach Manchester und in den Peak District, einen der wunderschönen Nationalparks in England. Während der beiden ersten Tage, die ich in Liverpool verbrachte, war es unglaublich heiß. Liverpool ist eine übersichtliche Stadt, in der man alles zu Fuß erreichen kann. Am ersten Tag standen das Tate Liverpool, die Albert Docks, die Central Library, die Walker Art Gallery, die Liverpool Cathedral und die Metropolitan auf meiner Liste. Da ich am ersten Tag so gut wie alles sehen konnte, was ich wollte, war ich um den zweiten heißen Tag sehr froh, denn das gute Wetter ermöglichte mir einen kleinen Ausflug an den Strand. Nur 20 Zugminuten von der Stadt entfernt liegt der Crosby Beach mit dem

IMG_3106
Crosby Beach

Projekt ‚Another Place‘ von Antony Gormley. Dort verbrachte ich einige Stunden einfach nur damit, spazieren zu gehen und im Sand zu liegen. Wie sehr ich das vermisst hatte.

Am Abend ging es weiter nach Manchester und von dort aus am nächsten Tag in den Peak District. Das Grün und die hügelige Landschaft erinnerten mich ein bisschen an Zuhause. Und es war wirklich schön, dem Trubel der Großstadt London entfliehen und die Natur für einen Tag so richtig genießen zu können. Manchester hat mir nicht wirklich gut gefallen. Das Stadtbild ist ziemlich trist und man kann immer noch viel von der Industriestadt erkennen. Ein Tag war dort deshalb mehr als genug, abends ging es dann wieder zurück nach London.

 

Dinge, die mich sonst noch glücklich gemacht haben…

Pizza im Tausch gegen eine Packung Tomaten zur Vegetarierwoche und Pommes für 10p

 

Parks

IMG_2982
Liverpool
IMG_2796
Regent’s Park London

…und weitere Eindrücke aus London

IMG_2807

IMG_2745
Aussicht vom Alexandra Palace in Nordlondon

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s