Cornwall

Seit ich ein kleines Mädchen war, wollte ich nach Cornwall. Der Grund ist kitschig und heißt Rosamunde Pilcher. Ja, jeden Sonntagabend um 20.15 Uhr liefen auf ZDF die romantischen Filme und ich folgte den Geschehnissen im Südwesten Englands mit Begeisterung. Die Landschaftsaufnahmen waren spektakulär und ich nenne sie den Grund, warum ich den dramatischen Ereignissen Woche für Woche meine Zeit widmete. Offiziell zumindest. Denn zugegebenermaßen habe ich wie jedes andere kleine Mädchen wohl auch von einem Prinzen geträumt, der mir über einer Steilküste auf mitreißendste Art und Weise seine Liebe gesteht, um mir dann am Strand bei schönstem Sonnenschein das Ja-Wort zu geben und den Lebensabend mit mir in einer viktorianischen Villa mit einem eindrucksvollen Meerblick verbringt.

Auch wenn mir Rosamunde Pilcher-Filme mittlerweile zu oberflächlich und kitschig sind, blieb mein Traum, einmal nach Cornwall zu reisen. Da es sich aufgrund meines Auslandssemesters in London anbot, habe ich mir diesen nun auch erfüllt. Und wurde nicht enttäuscht. Naja, vielleicht ein bisschen, vom – wie könnte es auch anders sein – Wetter.
Um gleich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, habe ich dann gleich noch etwas gemacht, was ich schon immer machen wollte: einen Campervan gemietet. Das hat mich einiges an Überzeugungskraft und später auch an Nerven gekostet, aber auch das hat sich gelohnt.
Was wir in 5 Tagen Cornwall alles gemacht haben:

 

Anreise: 9.06 Uhr ab Paddington

Mittwochmorgen um 9.06 Uhr und überraschend pünktlich verließen wir London von einem der größeren Bahnhöfe, dieses Mal von Paddington. Sieht man sich die Strecke von London bis St Ives auf der Landkarte an, denkt man nicht unbedingt, dass es so umständlich ist, dort hinzukommen. Ist es aber. Sechs Stunden dauerte die Fahrt und erforderte zweimaliges Umsteigen. London – Par, Par – St Erth, St Erth – St Ives. Wenigstens kamen wir pünktlich um 15.02 Uhr an. Das Schönste: Man kann bereits während der Zugfahrt die cornische Küste bestaunen.

 

Unterkunft: Bertha

Wie ich bereits in meinem Beitrag über Dublin geschrieben hatte, buche ich in letzter Zeit am liebsten über AirBnB. Haben wir dieses Mal auch gemacht. Da Cornwalll unheimlich teuer ist, wir mal wieder etwas spät dran waren mit dem Buchen und uns nicht wirklich eine andere Wahl blieb, mieteten wir dann einen Campervan. Ich war von der Idee begeistert, die Freundin, mit der ich in England häufig verreise, eher weniger. Es kostete mich einiges an Überredungskunst, letzten Endes bekam ich dann aber doch die Zustimmung und wir mieteten Bertha. Bertha steht auf einem Hügel etwas außerhalb von St Ives. Unsere Vermieterin Suzanne hat dort einen Bauernhof mit Hunden, Katzen und Eseln. Ich als Tierliebhaber fand das natürlich besonders toll. Neben Bertha und dem Haus unserer Vermieterin gab es noch einige weitere Unterkünfte, unter anderem einen Panzer und einen richtigen Wohnwagen. Ca. 30 Meter von Bertha entfernt befanden sich ein kleines Bad sowie eine Outdoor-Küche. Jede Unterkunft hat einen kleinen eigenen Garten, in unserem ließen wir den ersten Tag mit einem kleinen Lagerfeuer ausklingen.

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St Ives

St Ives ist ein kleines nettes Fischerörtchen mit rund 11.000 Einwohnern. In den Sommermonaten halten sich dort um einiges mehr Menschen auf, denn die Touristen scharen sich dort. Die Straßen waren bei Sonnenschein ziemlich überlaufen, dennoch hat das Städtchen sehr viel Charme und ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Besonders gut gefallen hat mir persönlich, dass man (außer PizzaExpress) keine Ketten finden konnte, was in England doch sehr außergewöhnlich ist. Es gab viele kleine Pubs und unabhängige Lokale, was als Abwechslung zu London doch mal ganz schön war. An unserem letzten Tag haben wir bei einem Spaziergang dann sogar noch Robben gesehen – für mich war das tatsächlich das erste Mal, dass ich diesen Tieren außerhalb eines Zoos begegnet bin.

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Newquay

Ein Tagesausflug brachte uns nach Newquay im Norden Cornwalls. Die Stadt mag zwar nicht so hübsch sein wie St Ives, der Strand ist dafür aber umso atemberaubender. Steilküsten, Sandstrand, Höhlen, türkisblaues Meer – traumhaft. Dort habe ich die wohl schönste Landschaft des gesamten Aufenthalts gesehen.

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Land’s End

Obwohl es schon wieder regnete, entschieden wir uns, mit dem Bus nach Land’s End, dem westlichsten Punkt Englands, zu fahren, da wir keinen zweiten verregneten Tag in St Ives verbringen wollten. Ich hatte erwartet, dass es hier wieder ein nettes Städtchen zu besichtigen gibt, wo wir gemütlich einkehren und den Schauern entfliehen können. Doch weit gefehlt. Land’s End besteht lediglich aus einigen Touristenshops, ein paar Ständen und einem Hotel. Im strömenden Regen wanderten wir nach einer zweieinhalbstündigen Fahrt durch die englische Pampa an die Küste. Durch den Regen sah diese nicht allzu beeindruckend aus, aber trotzdem schön und es war unserer Vorstellung überlassen, welcher Anblick sich uns wohl mit Sonnenschein geboten hätte.

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Wetter

Was soll ich sagen… Es tut mir leid, dass in jedem Beitrag das Wetter erwähnt wird. Aber hier ist das nunmal ein sehr großes Thema. Am ersten Tag hatten wir Glück, denn kurz bevor wir ankamen, hörte es auf zu regnen und die Sonne ließ sich blicken. Gutes Wetter für einen schönen Spaziergang auf dem ‚Atlantic Path‘, der von der Carbis Bay am Atlantik entlang bis nach St Ives führt und selbst abends war es noch warm genug, sodass wir ein Lagerfeuer machen konnten. Am zweiten Tag war es dann sehr wechselhaft, trotzdem begaben wir uns auf den Weg nach Newquay und wurden dort zwar von Sonne, aber auch einem sehr starken Wind empfangen, dann schlug das Wetter in Regen um, schließlich klarte der Himmel wieder auf und wir konnten einen wunderschönen Nachmittag am Strand genießen. Verabschiedet wurden wir am Abend dann wieder von Regen. Die nächsten beiden Tage regnete es unheimlich stark, was in Cornwall wirklich nicht viel Spaß macht. Vor allem nicht, wenn man in einem Van wohnt, die Sachen einfach nicht mehr trocknen und alles nach feuchter Kleidung müffelt. Am Sonntag, unserem letzten Tag, hatten wir dann das beste Wetter und die ganze Schönheit Cornwalls wurde uns zum Abschied noch einmal vor Augen gelegt.

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Regnerische Abende in Bertha

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Cornwall: Ja oder Nein?

Kommt drauf an. Ich bereue es keineswegs, mich auf den langen Weg in den Westen begeben zu haben und würde sagen, dass mir Cornwall von allen Reisen, die ich in den letzten Monaten von London aus gemacht habe, am besten gefallen hat. Hält man sich also ohnehin in England auf, macht hier einen Roadtrip o.ä., dann sollte man meiner Meinung nach auf jeden Fall auch Cornwall besuchen.
Von Deutschland aus würde ich von der Reise aber wohl eher abraten. Der Grund ist ganz einfach die lange Anreise, die von London aus wie gesagt sechs Stunden beträgt. Man kann zwar auch nach Newquay fliegen, allerdings nur von Frankfurt aus.
Der zweite Grund ist das unsichere Wetter. Es war schade für uns, dass es nur zu fünfzig Prozent unseres Urlaubes schön war, nimmt man aber den weiten Weg von Deutschland auf sich und das Wetter ist eine Woche lang schlecht, finde ich nicht, dass es sich lohnt. Cornwall zeichnet sich nun mal durch die beeindruckende Landschaft aus – wenn die Sonne scheint.

 

Weitere Eindrücke

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Cornish Cider

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Keine Übertreibung! Die Möwen stehlen Menschen das Essen wirklich aus der Hand.

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Vielen Dank fürs Lesen!
C x

2 Kommentare zu „Cornwall

  1. Huhu Christina,
    oh da kommen Erinnerungen hoch…😊…von St. Ives und Lands End von vor fast 10 Jahren.
    St. Ives war wirklich toll, wir hatten unglaublich gutes Wetter. Bei Land’sEnd fühlte man sich wirklich, als wäre die Welt zu Ende, wir sind damals gefühlte 5 Kilometer zum nächsten Zigarettenautomat gelaufen.
    Ein toller Beitrag!
    Liebe Grüße, Melli

    Gefällt mir

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